Direkt zum Inhalt

Besitzer von verpachteten Acker- und/oder Waldflächen?

2022-05-02 , Andreas Giebel

Wenn Du bereits unsere bisherigen Postings verfolgt hast, weißt Du bestimmt das in 2022 alle Grundstücke in Deutschland zum Zweck der Neufestsetzung der Grundsteuer bewertet werden müssen. Diese Neubewertung aller deutschen Grundstücke wird als Hauptfeststellung bezeichnet.

Wichtige Informationen für Eigentümer von verpachteten Acker- und Waldflächen

Auch Besitzer von Land- und Forstwirtschaftlichen Nutzflächen sind von dieser Hauptfeststellung in 2022 betroffen. Gerade in den neuen Bundesländern werden sich Besitzer von Acker- und Waldflächen, welche eventuell seid Generationen keine aktive Land- und Forstwirtschaft mehr betreiben, zum ersten mal mit einer Feststellungserklärung für das Land- und Forstwirtschaftliche Betriebsvermögen beschäftigen müssen. Bisher war bei verpachteten Acker- und Waldflächen in den neuen Bundesländern für derartige Feststellungserklärungen der Pächter zuständig.

In 2022 wirst Du als Eigentümer von Land- und Forstwirtschaftlichen Grundstücken vermutlich zwischen April und Juli Post vom Finanzamt bekommen. Das Finanzamt wird Dich darin auffordern eine Feststellungserklärung für Dein Land- und Forstwirtschaftliches Betriebsvermögen abzugeben. Dafür hast Du lediglich bis Ende Oktober 2022 Zeit. Schaffst Du es nicht bis zu diesem Zeitpunkt, Deine Feststellungserklärung bei Finanzamt einzureichen, können Verspätungszuschläge und auch Zwangsgelder durch das Finanzamt festgesetzt werden. Der Zeitrahmen für die Erstellung der Feststellungserklärung ist also sehr kurz. Daher solltest Du Dich bereits jetzt auf die Erklärung vorbereiten.

Viele Eigentümer von verpachteten Acker- und Waldflächen wissen eventuell gar nicht, dass sie tatsächlich Land- und Forstwirtschaftliches Betriebsvermögen besitzen. Hier wird oft, gerade bei verpachteten Flächen von Privatvermögen ausgegangen. Dies ist aber häufig nicht richtig. Auch über viele Jahrzehnte verpachtete Flächen können immer noch Betriebsvermögen sein. Dies kann unter anderem bei einem Verkauf solcher Flächen von großer Bedeutung sein. Betriebsvermögen bleibt immer steuerverhaftet. Hier fällt also bei einer Veräußerung auch dann Einkommensteuer an, wenn Acker- und Waldflächen seit vielen Jahren im Familienbesitz sind. Die Finanzämter werden daher die Hauptfeststellung in 2022 auch zu ertragssteuerlichen Prüfungen nutzen.

Wann bei Acker- und Waldflächen Betriebsvermögen bzw. Privatvermögen vorliegt ist überaus komplex. Die Finanzämter haben in den letzten Jahren Stellen aufgebaut, die sich ausschließlich mit solchen Sachverhalten beschäftigen.

Nicht für jede im Zuge der Hauptfeststellung 2022 abzugebende Feststellungserklärung wird es einen Steuerberater brauchen. Aber bist Du Besitzer von Acker- und Waldflächen und wirst zum ersten mal aufgefordert eine Feststellungserklärung für dein Land- und Forstwirtschaftlichem Betriebsvermögen abzugeben, ist es dringend zu empfehlen, einen versierten Steuerberater hinzuzuziehen. Fehler in der Feststellungserklärung bei der Unterscheidung zwischen Betriebs- und / oder Grundvermögen können mitunter dramatische Auswirkungen haben.

Die Hauptfeststellung bietet aber auch eine Chance sich noch einmal mit der entsprechenden Zuordnung zu beschäftigen. Eventuell können hier in der Vergangenheit auch Entnahmen ins Privatvermögen erfolgt sein, die bisher nicht berücksichtigt worden sind. Eine Entnahme führt zwar zur Versteuerung der sogenannten stillen Reserven, es kann aber auch sein, das dies bisher vom Finanzamt übersehen wurde und eine Änderung der Steuerbescheide nicht mehr möglich ist. Besprich dies Bitte unbedingt mit einem erfahrenen Steuerberater.